Krieg in Bosnien 19921996
Die Frauen, die die Bosna Quilts nähen, haben die Erfahrung von Krieg und Flucht hinter sich. Nach der Unabhängigkeitserklärung Bosniens 1992 machte der dritte Krieg in Ex-Jugoslawien das Land zwischen Nëum und Bijeljina zum Schlachtfeld. Angesichts miserabler wirtschaftlicher Aussichten unternahm das hochgerüstete Serbien den Versuch einer „ethnischen Säuberung“ und Auftrennung des von Bosniaken, Serben und Kroaten, Muslimen, Orthodoxen und Katholiken bewohnten Staats. 200.000 BosnierInnen verloren das Leben, 2,2 von 4,4 Millionen Einwohnern wurden in die Flucht getrieben (die Hälfte davon ins Ausland). Eine der neben Sarajevo, Bihac, Srebenica und Foca am meisten zerstörten Städte Bosniens war das vier Jahr lang von serbischen Militärs und Paramilitärs eingekesselte Goražde an der Drina.
Der Vertrag von Dayton brachte das Ende der Kriegshandlungen im Land des legendären Ban Kulin, das von 1463 bis 1878 osmanisch, dann bis 1918 Teil der Donaumonarchie war, wo Tito seinen Partisanenkrieg an mehreren Fronten geführt und mit seinem Lavieren zwischen Ost und West für wirtschaftliche und ethnische Ruhe gesorgt hatte.
‚Dayton’ hinterließ aber auch einen Jung-Staat unter internationaler Aufsicht mit wenig Kompetenzen, schwacher Infrastruktur und Doppelbürokratie, bestehend aus einer „Republika Srpska“ und einer muslimisch-kroatischen Föderation.
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Foto: Nikolaus Walter, aus «Vernähte Zeit» |